Sie sehen diese Seite derzeit weitgehend ohne Layout-Elemente. Sollten Sie CSS nicht absichtlich deaktiviert haben, setzen sie vermutlich einen alten Browser wie Netscape 4.x ein, der mit Style Sheets nicht korrekt umgehen kann. Die Seite sollte so aussehen.
Previously Unreleased Literature Project
Zur p.u.l.p.fiction-Startseite

MEDIAS RESt in peace

Die Kolumne zum Zustand moderner Unterhaltung

Zapp Drei

Alles oder Nichts, das ist hier die Frage.

Neulich habe ich in einen Chicken Whopper gebissen. Er hat wie ein Fish Mac geschmeckt. Mit hohlem Loch in der Magengegend sinnierte ich über den urplötzlich fortgezappten Appetit: Warum sind die Dinge nie so wie sie scheinen? Wenn du Brüste siehst, ist es Silikon. Wenn du an einem Septembertag Lebkuchen im Supermarkt siehst, ist trotzdem noch nicht Weihnachten, was in etwa so wirkt wie die Androhung eines Friedensfestes in einem Dresdner Bombenbunker: Freu dich, es ist schon später als du denkst! Am schönsten sind die Nachrichten auf den Privaten. Zunächst kommt alles über einen Terroranschlag. Dann kommt alles über den Seitensprung einer Silikontitte oder eines Waschbrettbauchs. Oder alles über eine Promikindgeburt, einen Superstar oder einen Containerinsassen. Darauf folgt alles über das Wetter. Wirklich alles? Erstaunlich, wie minimalistisch in den Medien alles aufgefasst wird. Und mit wie wenig alle sich zufrieden geben. Da hilft nur noch Zapping: Alles, nur das nicht! Ich dreh lieber die Stereo-Anlage auf, und zu John Fogertys Run Thru The Jungle klicke ich mich in rekordverdächtigen zweieinhalb Minuten durch alle Kanäle. Erschöpft, aber glücklich erschlaffe ich im Polster. Wieder mal alles gesehen und nichts verpasst.

P.S.: Ab in die Küche und ein sagenhaftes Seeteufelmedaillon in Dreipfeffersauce gekocht, mit Kartoffeln, Spargel, Möhren und Champignons ausstaffiert, bei Kerzenlicht und einem fruchtigen Weißwein verspeist, dazu a bisserl Mozart. Fernsehen kann so schön sein. Wenn die Glotze dunkel bleibt und sich auf der Mattscheibe nur die eigene, ganz persönliche Existenz, all mein Nichts und nichts als mein Alles spiegelt.

© Peter Escher 2003