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Schattenreich - ein deutsches Pulp Magazine

Schattenreich - pulp magazine

Teil 1

Lesestoff für schwarze Seelen
Ein neues Pulp-Magazin wird bei Bastei herausgegeben

Titelbild Schattenreich Band SechsDas neue Pulp-Magazine "Schattenreich"

Nebelschwaden wabern, von weit her tönt eine Glocke. Mitternacht! Grabmale werfen lange Schatten im fahlen Mondlicht. Dämonen aus den tiefsten Gründen der Hölle steigen empor, und mit ihnen erheben sich finstere Legionen aus den Gräbern, um die Welt der Lebenden zu terrorisieren - naja, und natürlich auch, um Gruselromanfreunden den einen oder anderen Schauer über den Rücken zu jagen. Wenn solch unheilvolle Szenarien Sie in Stimmung bringen, dann sollten Sie mal den Versuch wagen, Ihre Nase in das neue Pulp-Magazin "Schattenreich! zu stecken.

Es gibt nicht nur Pulp-Magazine in den USA, die sich seit Jahren mehr schlecht als recht durchschlagen oder von einem aufopferungsvollen Kreis unermüdlicher Fans am Leben erhalten werden. Auch in den Etagen deutscher Verlage ist das Thema Pulp noch nicht verschwunden, und so hat es hier zu Lande eine interessante Neugründung gegeben: Von dem unverwüstlichen Heftromanverlag Bastei, der uns all die Jahre mit Abenteuern von Jerry Cotton, John Sinclair oder Professor Zamorra spannende Stunden bescherte, wird ein Pulp-Magazin herausgegeben. Bereits im Oktober hob der Verlag mit der Zinne eine Heftproduktion namens Schattenreich aus der Taufe...!

Mit "Schattenreich - pulp magazine", so der vollständige Titel, versucht Bastei das Pulp-Prinzip in Heftromanform unterzubringen - und wir hoffen, es wird ein voller Erfolg. poeticon hat sich das Projekt einmal näher angeschaut und bei Morpheus, dem Lektor des Magazins, nachgefragt:

Hier spielt (auch) die Musik...

"Schattenreich" orientiert sich am Horror-Genre und bedient daher nur einen Ausschnitt der Bandbreite klassischer Pulps. Das ist keineswegs unvorteilhaft und sicherlich mit Verlagsüberlegungen hinsichtlich der Zielgruppe zu erklären. Bei Bastei hält man Grusel für Kurzromane geeigneter als z. B: Krimis. Dabei dachte man nicht nur an den Zirkel der Sinclair- oder Zamorra-Leser, die beide Romanserien durch ihre Treue zu einem Erfolg gemacht haben. Im redaktionellen Teil in der Heftmitte wird kein Hehl daraus gemacht, dass das Magazin auch anderen, viel jüngeren Kreisen gefallen soll. Es überrascht im ersten Moment, zwischen zwei Storys etwas über Goth-Partys und Bandportraits aus den Bereichen Dark Wave oder Metal zu lesen. Aber die thematischen Deckungsgleichheiten zwischen Literaturgenre und Musikstil sind ja nicht von der Hand zu weisen, und gattungsübergreifendes Cross Marketing hat noch niemandem geschadet. "Schattenreich" will sich deshalb an alle wenden, denen Gruselliteratur gefällt: "Wir versuchen, uns ein neues Gebiet zu erschließen, ohne das alte zu vernachlässigen. Ich denke, wir machen uns ganz gut", beschreibt Morpheus die Richtung, in die man mit "Schattenreich" marschieren will.

Aber gewildert wird auch in anderen Gefilden der Kunst: Die Titelbilder haben ihren eigenen Stil und heben sich deutlich ab von anderen Heftromanveröffentlichungen wie Sinclair oder Zamorra. Rollenspielfans werden es wohl gleich wiedererkennen - mit ihren blassen und wie aus Marmor gemeißelt wirkenden Todesengeln auf dem Heftumschlag erinnern die Bilder ein wenig an "Vampire - The Masquerade". Egal, welchem Clan man angehört, der erfahrene Roleplayer weiß gleich, wo man zu Hause ist.

Drei Geschichten + viel mehr...

Soweit die rein äußerlichen Kennzeichen des neuen Pulp-Magazins. Schauen wir dem Modell doch mal unter die Haube: Aktuell liegt Band 4 mit Storys von Markus Kastenholz, Klaus Sollert und Charlotte Engmann an den Zeitschriftenkiosken aus. Dem Aufbau klassischer Pulps folgend, steht in jeder Ausgabe eine längere Fortsetzungsgeschichte im Mittelpunkt, flankiert von zwei Short Storys. Dazu gibt es noch einen redaktionellen Teil: "Medusas Gedankenlabyrinth" ist als Editorial gedacht. In den "Stimmen aus der Gruft" haben die Leser das Wort. An der Einteilung mit den drei Geschichten will man weiterhin festhalten, auch wenn man sich in der Heftmitte etwas Flexibilität gönnt und auch anderen Gattungen Platz einräumt. Lesergedichte sind willkommen. So zieren auch die aktuelle Ausgabe einige Verse, und für die kommenden Ausgaben sind weitere Gedichte vorgesehen.

Dass man abseits bestehender Serien ein Projekt ohne festen Serienhelden, ist natürlich ein Wagnis. Denn gerade die Identifikation mit den Protagonisten ist es ja, die Leser meist bei der Stange hält. Hinzu kommt die Tatsache, dass mit dem Magazin auch jungen Autoren, noch unbekannten Autoren, die Möglichkeit gegeben werden soll, sich zu erproben. Natürlich geht das nicht ohne die Schützenhilfe "alter Hasen": Neben neuen Autoren wirken auch altgediente Veteranen des Heftromans wie beispielsweise A. F. Morland mit. Dass man "Schattenreich" als Talentschmiede und eventuell auch als Think Tank für künftige Heftromanprojekte ansieht, gibt Morpheus unumwunden zu: "Unser Anliegen ja unter anderem, neue Autoren auszubilden."

Plattform für neue Autoren

Das ist natürlich eine Steilvorlage für alle, die gerne schreiben, und die Existenz eines Magazins wie "Schattenreich" sollte von jungen Autoren als Ermutigung verstanden werden. Aber jeder, der einmal mit seinem Manuskript an einer professionellen Veröffentlichung teilgenommen hat, weiß genau, dass die Arbeit erst richtig beginnt, wenn das Manuskript fertig getippt ist. Morpheus alias Holger Kappel, Lektor bei Bastei, rückt in seinen Worten in Band 4 einige schiefe Vorstellungen zurecht. Autoren sollten vor allem Geduld mitbringen und sich nicht schnell entmutigen lassen. Auch bei "Schattenreich" sind Geschichten neuer Autoren willkommen, die vielleicht nicht in bestehende Heftserien passen. Aber man sollte sich auch darauf gefasst machen, dass trotzdem konsequent auf Qualität geachtet wird:

"Es gibt zahlreiche gute Autoren, die einfach Probleme damit haben, sich in eine bestehende Serie mit festen Helden usw. einzufinden. Vielleicht weil sie noch nicht genug Erfahrung haben, oder weil ihre Idee nicht in eine bestehende Serie passt. Diesen Autoren wollen wir eine Plattform bieten. Natürlich sind die Auswahlkriterien immer noch sehr streng. Doch man kann sich aufs Schreiben konzentrieren, nicht darauf, ob man vorgegebene Charaktere richtig darstellt.


So weit für's erste mit unserem Portrait des neuen Pulp-Magazins "Schattenreich". Wir sind schon ganz gespannt, wie es weitergeht und wünschen Medusa und Morpheus viel Erfolg mit diesem Magazin - und mindestens ein ebenso langes literarisches Leben, wie es der Mutter allen Pulps beschert war: Weird Tales.

In diesem Sinne: Tally Ho, Chaps!

poeticon

© 2004 Stefan Wölfel

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