Milas von der Roten Scholle
Liebe Leserinnen und Leser,
Schreiberling Escher obsiegte endlich seiner Faulheit. Somit veröffentlichen wir die ersten Kapitel zu seinem Fantasy-Roman "Milas von der Roten Scholle". Die Fortsetzung erscheint im März. Bis dahin empfehlen wir als mentales Aufwärmtraining Conan der Rhabarber von R. E. Hauer... ;-)
mfg
Schreiberling Wölfel
Milas von der Roten Scholle
von Peter Escher
Geschichten aus den mittleren Tagen
Für Siegfried, Hagen, Gunther und den ganzen anderen Rest bauchgesteuerter Heldenverwirrtheit.
An einem Ort in einer Zeit, in der die Menschen anders zu denken begannen und sich nicht mehr Getriebene des Landes und der Sturmgewalten wähnten, sondern mit eiserner Faust und Blut und Schweiß das Land ihr Eigen zu nennen begannen, lebte ein Mann auf der Roten Scholle. Sein Name war Milas.
Groß und stark und schweigsam war er und sein einfaches Haus aus Baumstämmen und groben Steinen hatte er am Nordhang des Roten Berges erbaut. Der schneidende Wind aus Winterland mochte so laut pfeifen und so mächtig wüten wie er nur wollte, Milas hatte es immer warm in seinen vier Wänden. Denn er hatte auf einem feuerspeienden Berg gebaut.
Milas genoss die Wärme des Bodens ringsum und betrachtete den Berg als seinen Freund. Ob der Berg auch ihn als Freund betrachtete, vermag heute keiner mehr zu sagen (und selbst Menschen, die mit Eifer die tiefsten Geheimnisse der kurzen Menschenhistorie zu enträtseln versuchen, wagen kaum, eine solche Behauptung aufzustellen, einerlei wie naheliegend dieser Schluss angesichts Milas' langen Lebens auch sein mag).
Nur einmal, das weiß man ganz sicher, hatte er Milas gezürnt und bebend vor Ingrimm geschmolzenes Gestein aus seinen grollenden Eingeweiden gespuckt und wutschnaubend seinen schwefligen Atem in giftgelb glühenden Wolken den Hang hinabgetrieben.
Doch Milas ertrug in standhafter Reue den Anfall des Berges (auch wenn er seine täglichen Besuche am Kraterrand für einige Zeit tunlichst unterließ). Das brennende Gestein floss hinab, verschonte jedoch seine Hütte, indem es zur Ost- und Westseite aus dem Krater quoll und sich, wie Wasser in einem Burggraben, ringsum am Fuß des Berges sammelte. Der Zorn war schnell verraucht, das tobende Herz kühlte ab und Milas ging über frischem Basalt seinem Tagwerk nach.
Es kann nur vermutet werden, dass Milas eine Art Vereinbarung mit dem Berg getroffen hatte. Er nahm nur herumliegendes Geröll mit, um daraus Erz zu gewinnen und Dinge zu schmieden, welche die Bauern in der Ebene nötig hatten und ihn dafür nur zu gern mit den Früchten ihrer Arbeit entlohnten. Eines Tages aber hatte er mit Hacke und Hammer Steine aus der Seite des Bergs geschlagen.
Von nun an schlug Milas kein Erz mehr, sondern hielt sich an die Abmachung und begnügte sich mit dem, was der Berg ihm freiwillig gab, und sie kamen beide prächtig miteinander aus: Er nahm nur lose Steine und verlangte nicht nach mehr. Glitzerndes Gestein lag auf den Halden, und morgens sammelte er es ein, um es zu seiner Esse zu tragen, in der des Berges Glutatem wohnte.
Eines Morgens, als er sein Maultier mit Spitzhacken, Spaten, Schaufeln, Eggen und Rechen belud, um sie zu den Bauern zu tragen, kam ein Reiter herbei. Schon von weitem sah Milas die Staubwolke der wirbelnden Pferdehufe.
Schaum troff vom Maul des Tiers. Ross und Reiter schwitzten. Milas hob grüßend die Hand, denn er kannte den jungen Rotschopf auf dem Rücken des röchelnden Gauls. Doch je näher er kam, umso finsterer wurde Milas' Miene. Schlaff schien der Junge im Sattel zu hängen. Aus seiner Schulter ragte ein Pfeilschaft.
Entschlossen trat er dem Pferd in den Weg und riss beide Arme hoch, und mit letzter Kraft zügelte der Reiter. Dann sank er entkräftet aus dem Sattel, direkt in Milas' Arme. Es war Kerwalt, einer von Erkes jüngsten Kriegern, ein tapferer Bursche von einem Gehöft nahe Erkes Burg unter den Drachenbrüdern. Vor wenigen Monaten hatte er mit seinem Leib seinen älteren Bruder aus Erkes Heer freigekauft, damit dieser zu seiner Familie heimkehren konnte.
Schon stand dem Jungen, der keine sechzehn Lenze zählte, roter Schaum vor dem Mund. Milas ließ ihn sanft zu Boden sinken und hielt ihn fest. Er wärmte den zitternden Leib an seiner Brust und lauschte, wie er seine letzten Worte flüsterte. Von einem Hinterhalt sprach der Sterbende, von vielen nahenden Feinden, bis seine Stimme nur noch als dünner Hauch über bebende Lippen schlich wie ein Dieb über die Schwelle eines Hauses, in dem die Lichter erloschen. Der Leib des Jünglings in seinem viel zu großen Harnisch erschlaffte. Milas, der ein grober Mensch sein mochte, hielt ihn noch einige Momente und versagte sich keine Träne. Seine Hand fühlte den Schaft des Pfeils im Rücken Kerwalts und wollte nicht die Niedertracht eines Herzens verstehen, das einen Pfeil von einer Bogensehne schnellen ließ, um einen schutzlosen Rücken zu treffen. Trauer entzündete seinen Zorn, die so folgenreich sein sollte, und wenn der hasenherzige Schütze eine Ahnung gehabt hätte von Milas' Zorn und seinen kommenden blutigen Taten, hätte er den Pfeil sicherlich im Köcher belassen. Doch so begann Milas in Wallung zu geraten wie sein Freund, der Berg. Sein Blut kochte wie Lava und sein Atem war sengend, als er den Pfeil aus der Wund zog und beobachtete, wie Kerwalts Herzblut von der bronzenen Spitze troff.
Schnell trug er die Leiche in sein Haus und damit in die Obhut des Berges, bevor er seinen mächtigen Schmiedehammer schwang und auf Kerwalts Gaul davoneilte. Bauer Fils traf er auf dessen Acker und trug ihm auf, in sein Haus zu gehen, den Jungen zu bestatten und dann sogleich seine Familie in Sicherheit zu bringen. Dann machte er sich auf, Erke unter den Drachenbrüdern Pfeilspitze und schlechte Kunde zu überbringen.
Der mächtige Erke, ein prächtiger Krieger von beachtlicher Größe (der trotzdem nicht weiter als bis an Milas' Schultern reichte) empfing ihn zunächst mürrisch in seiner großen Halle unter den drei Felsspitzen, die man zu jener Zeit ehrfurchtsvoll die Drachenbrüder nannte. Es entzündete sich auch in ihm eine bittere Laune an der blutigen Pfeilspitze und Kerwalts Worten aus Milas' Munde. Sofort rief er seine besten Kämpfer, und dumpf hallten die Trommeln von den Drachenbrüdern weit ins Land hinein, über das Erke herrschte. Viele Trommeln antworteten in der Ferne. Überall wurde gerüstet, und dem nahenden Feind wehte ein Konzert dumpfer Entschlossenheit entgegen. Die Eroberung von Erkes Land würde kein leichtes Unterfangen werden.
Erke war ein ungehobelter Kerl, doch deswegen kein Ausbund an Falschheit. Nur ging ihm das Herz allzu leicht durch. Sein entflammbares Gemüt ließ ihn schnell toben. Milas, der sich in der weiten Halle fremd fühlte und bald von Beratern und Kriegern beiseite gedrängt wurde, fasste noch einmal Mut und trat vor. "Erke!" rief er, und seine Stimme dröhnte wie Donner in der großen Halle. Der Herr des Landes, der längst den Überbringer der schlechten Kunde vergessen hatte, horchte auf. Doch nicht erzürnt, wie manche seiner Berater vermuteten. Eher neugierig fragte er den riesenhaften Milas: "Was willst Du noch? Sprich schnell, denn wir rüsten für den Krieg." Milas trotzte Erkes Blick, der immer etwas von einer Herausforderung an sich hatte. "Ich will es sein, der Kerwalts Familie Kunde von seinem Tod bringt", bat Milas."Gewährt!" sagte Erke und wollte sich bereits abwenden, um Pläne zu schmieden, da fuhr Milas mit donnernden Worten fort: "Aber zuvor will ich jene zermalmen, die mich durch ihre Schandtat zum Bringer schlechter Kunde machten. Lass mich mit dir ziehen und an Kerwalts Stelle für dich streiten." Stark wie ein Bär und grob wie ein Amboss stand Milas in Erkes Halle und hob seinen Hammer. Blitze schienen aus seinen Augen zu zucken. Viele traten einen Schritt zurück, denn Milas wollte schier vor Kampfeslust zu bersten. Erke indes war nicht so leicht zu beeindrucken und kam zu Milas. Auch wenn er sich zu strecken versuchte, kam er nie in Augenhöhe des Schmieds, der da vor im stand. "Und was willst du tun? Den Feind mit deinen Löwenpranken packen und zerreißen? Mit deinem Hammer auf den Boden schlagen, dass die Erde bebt?" Es war Erkes Halle erbebte, jedoch vor Gelächter, doch Milas schüttelte nur den Kopf. Er holte die Pfeilspitze hervor. "Die Erde bringe ich wohl nicht zum Beben. Aber den Feind werde ich vor Angst erbeben lassen", sagte er und hob das geschliffene Metall in die Höhe. "Sieh, Erke. Der Feind ist entweder dumm oder mutig oder nur groß an Zahl, dass er es wagt, mit einem weichen Metallgemisch, das wohl für Schmuck taugen mag, hierher zu ziehen. Dieser Hammer hier hat mehr Stahl geschmiedet als dein Heer tragen kann. Er bricht jedes Eisen, und Bronze wird er wie Wachs zerdrücken." "So sei es, Milas von der Roten Scholle. Nimm Kerwalts Platz ein", sagte Erke und legte ihm ein Band mit drei Steinen, das Zeichen des Hauses unter den drei Drachenbrüdern um den Hals (wobei er sich etwas strecken musste). Doch Milas schüttelte den Kopf. "Kerwalt war Reiter. Ich will aber in die erste Reihe zu den armen Bauernsöhnen, wo der Kampf am blutigsten ist." Stille herrschte in der Halle. Soviel Mut und Grimm ließ manch Tapferen erschauern. "So sei es", sagte Erke.
Die Nacht wich einem Saum grauen Schimmers, der über den Hügelkamm kroch und den Raureif schier erbleichen ließ, als Erkes Haufen auf dem Blachfeld Aufstellung nahm. Damals war das Blachfeld nichts weiter als eine kleine Ebene in einem Tal mit sanften Hängen, das ein kleiner Wasserlauf durchschnitt und dessen saftige Wiesen höchstens Schafherden und die jährlich vorbeiwandernden Wiesentzüge von Zeit zu Zeit mit ihrem Nachlass düngten. Hier begann Erkes Herrschaft, und hier wollte er sich mit dem Feind schlagen. Blut sollte diesmal für grüneres Gras sorgen.
Schon als Erkes Haufen in den frühen Morgenstunden über die Hügel hetzten, war auf den gegenüberliegenden Hängen wie ein finsterer Moloch das gegnerische Heer auszumachen; noch schwärzer als die Nacht zeichneten sich die Linien der Feinde ab. Dumpf hallte das Stimmengewirr zu ihnen herüber. Groß musste ihre Zahl sein, denn das ganze Heer erstreckte sich von den Hügeln fast bis hinunter zu dem kleinen Wasserlauf, der unbeirrt vor sich hinplätscherte und keinerlei Notiz von den kampfbereiten Heeren nahm. Zwanzig Haufen aus vielen Teilen seiner Länder versammelte Erke auf dem Blachfeld.
Mancher in Erkes Haufen begann zu murren und fragte sich, warum Erke nicht in voller Stärke aufmarschieren ließ. Wo blieben die Bogenschützen? Wo war die Reiterei? Wenn der Gegner in hundertfacher Übermacht gegenüber steht, so ereilt denn auch manchen Tapferen das Gefühl, auf der falschen Seite zu stehen. Nur die Treuen und die Dummen blieben ruhig. Selbst Erke, der sich insgeheim ebenfalls eingestand, in gewisser Weise beeindruckt zu sein, ritt bis hinunter zum Grünen Blach und zog mit seiner Lanzenspitze eine Linie in den feuchten Grund. Da erhob er sich im Sattel und lachte lauthals. Von drüben schallte höhnisches Gelächter zurück und einige Schwerter reckten sich in die Höhe. Sein Gaul tänzelte im Gras, während hinter seinen Kriegern das Morgengrauen die Sterne verblassen ließ. Pfeile flogen heran, doch spickten sie einige Meter vor dem Bach die nasse Sode. Auch er erhob seine Lanze, dann jagte er wieder hangaufwärts. Auf halbem Wege rammte er die Lanze in den Boden und eilte zu seinen Haufen zurück, die sich eng aneinander drängten.
Erke hielt sich für einen ausgekochten Strategen, und man mochte dem Barbaren zu Gute halten, dass er erst als ausgewachsener Mann mühselig sich selbst das Lesen beibrachte und begierig alles verschlang, was schlaue Generäle in den südlichen Ländern aufschreiben ließen. Auch in diesem Kampf wollte er nicht nur Gewalt, sondern auch Geist fechten lassen. So ritt er vor den Seinen auf und ab und deutete auf die Lanze. "Hört mir zu, meine Getreuen", rief er ihnen entgegen. "Wenn der Feind heranstürmt, werft euch ihm entgegen. Sobald der erste ihrer Krieger aber meine Lanze erreicht, zieht euch zurück! Sammelt euch auf dem Hügelkamm und erwartet sie dort. Die Bogenschützen, die sich dahinter verbergen, werden ihnen mit der Sonne einen heißen Empfang bereiten, wenn sie den Hang hinaufhecheln. Und wenn sie sich festgebissen haben, wird ihnen die Reiterei in die Seiten und den Rücken fallen."
Selbst der geistig Lahmste unter ihnen begriff nun, welch wichtigen Anteil er in dem großen Plan des Heerführers haben würde, und so erscholl ein Jubeln aus zwanzig Dutzend Kehlen. Schwerter und Streitäxte klopften auf Schilde. Die Haufen nahmen Aufstellung.
Erke riss sein Ross herum und preschte den Hügel hinauf. Da erscholl jedoch Tumult in den Reihen seiner Haufen. Überrascht zügelte er und wandte sich um. Groß wie ein Baum und stark wie ein Bär, den Hammer drohend erhoben, bahnte sich ein Mann seinen Weg durch die Aufstellung seiner Krieger. Milas hatte aus der hinteren Reihe alles schweigsam beobachtet, doch nun hielt er seinen Moment für gekommen. Wer vor ihm nicht beiseite trat, wurde von ihm schlicht weggeschoben. Mit festem Schritt drang er durch die Reihen, und bald machte man ihm freiwillig Platz. Die meisten nahmen an, dass er nur ganz vorne Aufstellung beziehen wollte. Doch Milas hatte etwas ganz anderes im Sinn, und nur diejenigen, die an jenem Morgen bei ihm waren und vor ihm zurückwichen, mochten erzählen von jener Glut, die in seinen Augen glomm. Schon war er in der ersten Reihe, die sich vor ihm teilte. Doch er hielt nicht an. Er schritt weiter.
Keiner verstand, was wohl in Milas vorging, als er allein auf den Gegner zuschritt. Manche riefen nach ihm, die meisten nannten ihn einen Narren, die wenigsten liefen ihm einige Schritte nach, um ihn aufzuhalten, doch sein entschlossener Blick ließ alle zurückweichen. Erke brüllte hinter ihnen auf, rief sie wieder zurück in die Reihen, und so ließen sie Milas allein auf den Gegner zuschreiten.
Als Milas Erkes Lanze erreichte, riss er sie aus dem Boden. Seine Schritte wurden schneller und wütend warf er den Schaft auf den Gegner. Irgendwo in den Reihen ertönte ein Schrei. Das erste Blut war auf dem Blachfeld vergossen. Milas' starker Arm schwang den Hammer, und aus seinem Mund erscholl ein Laut wie das Knurren eines Raubtiers. Der Gegner, der hinter dem Bach hinter Schilden seinem Anmarsch überrascht und mit fragenden Mienen entgegenblickte, stritt noch darüber, ob er Milas einsamen Vorstoß für eine Finte oder eine Provokation halten sollte, als Milas bereits röhrend wie ein Hirsch im Laufschritt auf sie zuraste. Offenbar letzteres, entschied man, und die ersten vereinzelten Pfeile zischten aus den Reihen dem Heranstürmenden entgegen.
Da erhob sich aus dem goldenen Saum über den Hügeln der Glutball der Sonne, und blendend fuhr der neue Tag dem Feind ins Aug. Mancher in der ersten Reihe mochte Milas kaum erkennen, als er über den Bach hinwegsprang. Deutlich jedoch war sein Brüllen, das direkt aus der erwachenden Sonne zu kommen schien. Die Pfeile gingen fehl bis auf einen; er bohrte sich in das Schafsfell, das Milas um die Brust trug. Triumphrufe verstummten schnell, denn Milas eilte weiter. Schon war er an den ersten Schilden.
Und mit rasendem Zorn fuhr er in ihre Reihen. Mächtig schwang er seinen Hammer, zerdrosch Schilde und stieß und schlug und biss und trat, während er Kerwalts Namen rief. Sein Aufprall ließ die erste Reihe wanken und erschütterte die folgenden Linien. Furcht erfasste viele, denn in seiner Brust stak ein Pfeil. Tot sollte er sein, doch brauste er wie der Sturmwind und fegte starke Kämpfer beiseite. Brüllend hieb er sich seinen Weg frei, Fleisch und Blut und Hirn spritzte davon, Schilde und Speere und Schwerter splitterten. Die Unordnung, die er in den Gegner getragen hatte, war jedoch nur von kurzer Dauer. Von hinten stürmten bereits Mutige nach vorne, auch wenn sie sich den Weg durch arg Blessierte und Verstörte bahnen mussten, die mit Schrecken im Gesicht von dem rasenden Ungetüm fortkrochen. Um Milas' Wüten wand sich ein Ring aus tanzenden Klingen. Schon begann das Blachfeld zu dampfen von den schwitzenden Leibern und vom Raureif, der im Morgenlicht schmolz.
Oben auf den Hügeln blickten Erkes Haufen fassungslos auf Milas' einsames Ringen. Schon riefen die ersten nach Erke, manche ließen mit Flüchen ihrem Unmut freien Lauf. Kaum einer mochte verstehen, wie Erke einen einzelnen Kämpfer dem Feind entgegensenden konnte (auch wenn Erke gar nicht wusste, was eigentlich geschah). Die Tapfersten in den Haufen begannen schon unruhig ihre Schwerter zu erheben und riefen ihren Kameraden zu, wie sie es nur übers Herz bringen konnten, einen Streiter allein gegen den Feind anrennen zu lassen. Schon liefen die ersten los und brüllten Milas Namen, der weit unter ihnen ein Duell gegen tausend Klingen ausfocht. Selbst den Feigsten wurde das Herz schwer, als der Schmied unter unzähligen Leibern versank und nur noch sein Hammer tödliche Kreise zog.
Und auch Erke ließ sich, wenn auch kopfschüttelnd und mit einem gewissen flauen Gefühl im Magen, von Milas heißem Blut anstecken. Sein Ruf hallte über das Blachfeld, und seine Haufen stürmten los. Zum Teufel mit den Plänen, den ganzen Taktiken und Strategien von Papier und Pergament! fluchte er innerlich und gab seinem Gaul die Sporen. Und so stürmten seine Haufen brüllend die Hügel hinab...
... weiter geht's in der nächsten Ausgabe!

